Monte Cristo (2002)
Schwungvolles Abenteuer mit großen Freiheiten
Die Kinofilm-Adaption Der Graf von Monte Cristo aus dem Jahr 2002 unter der Regie von Kevin Reynolds verfolgt einen deutlich anderen Ansatz als werkgetreue Fernsehproduktionen. Statt epischer Breite und literarischer Detailtreue setzt dieser Film auf Tempo, Emotionen und klassische Abenteuermotive – mit durchaus sehenswertem Ergebnis, auch wenn Alexandre Dumas’ Roman dabei nur als lose Vorlage dient.
Die Besetzung ist ausgesprochen gelungen. Jim Caviezel verkörpert Edmond Dantès als idealistischen jungen Mann, der durch Verrat, Haft und Verlust innerlich zerbricht und sich schließlich zum entschlossenen Rächer wandelt. Guy Pearce als Fernand Mondego gibt einen überzeugend ehrgeizigen und zunehmend verbitterten Gegenspieler, während Richard Harris als Abbé Faria dem Film emotionale Tiefe und Würde verleiht. Auch die Nebenrollen – etwa Dagmara Domińczyk als Mercédès – sind solide bis sehr gut besetzt.
Großen Wert legt der Film auf seine äußere Gestaltung. Die Drehorte (unter anderem in Irland und Malta) sowie die Kostüme wirken hochwertig und stimmungsvoll und transportieren überzeugend das Flair der Epoche. Kleine Details – etwa englischsprachige Beschriftungen auf Gebäuden – erinnern zwar daran, dass es sich um eine internationale Hollywood-Produktion handelt, stören den Gesamteindruck jedoch kaum. Hinzu kommt eine gefällige, teils sehr eingängige Filmmusik, die den abenteuerlichen Ton des Films wirkungsvoll unterstreicht.
Problematisch für Romanliebhaber ist allerdings der Umgang mit der Handlung. Die Geschichte wird stark vereinfacht, Figuren werden zusammengelegt oder gestrichen, Handlungsstränge entfallen vollständig, und an mehreren Stellen wird Neues hinzuerfunden. Besonders das Ende unterscheidet sich deutlich von Dumas’ Vorlage und verzichtet auf moralische Ambivalenz zugunsten eines klaren, fast märchenhaften Abschlusses. Die komplexe Gesellschaftskritik und die langsame, bittere Entwicklung der Rache treten zugunsten einer persönlichen Vendetta und eines klassischen Heldenbogens in den Hintergrund.
Trotz dieser deutlichen Abweichungen bleibt der Film unterhaltsam. Er ist schwungvoll inszeniert, gut gespielt und emotional zugänglich – ein Monte-Cristo-Film, der weniger nach Literaturverfilmung, dafür mehr nach romantischem Abenteuerkino aussieht.
Fazit:
Die Verfilmung von 2002 ist kein Ersatz für den Roman und keine ideale Wahl für Zuschauer, die größtmögliche Werktreue erwarten. Als eigenständiger Abenteuerfilm mit starken Darstellern, schöner Ausstattung und hohem Erzähltempo funktioniert sie jedoch sehr gut – und kann durchaus Lust darauf machen, danach wieder zu Alexandre Dumas’ Original zurückzukehren.
Monte Cristo von Kevin Reynolds
Zum Captain befördert steht der junge Seemann Edmond Dantès kurz vor der Hochzeit mit der zauberhaften Mercédès. Sein reicher Freund Mondego gönnt ihm das Glück aber nicht. Besessen von Neid und Eifersucht fädelt er eine schreckliche Verschwörung gegen Edmond ein, so dass Edmond verhaftet und in die Gefängnisfestung Château d'If gesperrt wird. Nur die Liebe zu seiner Geliebten Mercédès sowie die weisen Ratschläge seines Zellennachbars Abbé Faria lassen den Unschuldigen die Demütigung überstehen.
Nach 13 qualvollen Jahren gelingt ihm die waghalsige Flucht auf die Insel Monte Cristo, wo er dank einer Schatzkarte von Abbé Faria zu unermesslichem Reichtum gelangt. Als Graf von Monte Cristo kehrt er mit neuer Identität in seine Heimat zurück und muss feststellen, dass Mercédès jetzt die Frau des Mannes ist, der ihn verraten hat. Getrieben von der Rache an den Männern, die ihn verdammt haben, ist Edmond bereit, in der Stunde der Vergeltung alles aufs Spiel zu setzen.