Das Paris der Musketiere
In Paris spielt sich der größte Teil der Handlung der Musketier-Trilogie ab. Die Musketiere leben im ersten Band in Paris und kommen im zweiten und dritten Band immer wieder in die Hauptstadt. Viele der Schauplätze, an denen d'Artagnan und seine Gefährten ihre Abenteuer erlebten, existieren noch heute – manche unverändert, andere unter neuem Namen.
Zu Fuß also hielt d’Artagnan seinen Einzug in Paris. Er trug den kleinen Mantelsack unterm Arm und wanderte so lange umher, bis er endlich ein Zimmer fand, das der Dürftigkeit seiner Mittel entsprach. Es war eine Art Mansarde in der Rue des Fossoyeurs, nicht weit vom Luxembourg.
Auf den Spuren der Musketiere: Eine Reise durch das Paris von Alexandre Dumas
Die folgende Karte zeigt Paris in der berühmten Darstellung von Louis Bretez nach den Plänen von Michel-Étienne Turgot (1739). Auch wenn sie fast ein Jahrhundert nach den Ereignissen der Drei Musketiere entstand, vermittelt sie ein außergewöhnlich detailreiches Bild des frühneuzeitlichen Paris. Die markierten Orte ermöglichen es, die im Roman genannten Schauplätze räumlich einzuordnen und den Wegen der Musketiere durch die Stadt nachzuspüren.
Rue des Fossoyeurs (heute Rue Servandoni): D'Artagnans bescheidenes Heim
Als der mittellose junge Gascogner 1625 in Paris ankommt, findet er nach langem Suchen eine Mansarde in der Rue des Fossoyeurs, "nicht weit vom Luxembourg". Diese schlichte Bleibe entspricht den "dürftigen Mitteln" des jungen Mannes, der gerade erst mit seinem kleinen Mantelsack unter dem Arm zu Fuß in die Hauptstadt gekommen ist. Von hier aus bricht d'Artagnan zu seinen ersten Abenteuern auf – und hier lernt er auch seine Vermieterin Constance Bonacieux kennen, in die er sich unsterblich verliebt.
Heute trägt die Straße den Namen Rue Servandoni und führt von der Rue de Vaugirard hinunter zur Kirche Saint-Sulpice. Zur Zeit der Musketiere lag sie noch außerhalb der eigentlichen Stadtmauern, eine Art Vorstadt – was erklärt, warum d'Artagnan hier eine bezahlbare Unterkunft fand. Das Viertel gehört heute zum Herzen von Paris, nur einen Steinwurf vom Jardin du Luxembourg und Saint-Germain-des-Prés entfernt.
Rue du Vieux-Colombier: Das Hôtel de Tréville und Porthos' Wohnung
In dieser kurzen Straße befindet sich das Hôtel de Tréville, das Hauptquartier der königlichen Musketiere. Hier sucht d'Artagnan an seinem ersten Morgen in Paris den Hauptmann der Musketiere auf, um ihn um Aufnahme in seine Kompanie zu bitten. Monsieur de Tréville kann ihm zwar keinen sofortigen Platz geben, doch vom Fenster aus erspäht d'Artagnan seinen "Mann aus Meung", den geheimnisvollen Rochefort. Er stürzt aus dem Gebäude, um ihm nachzueilen – und dabei stößt er nacheinander mit Athos, Porthos und Aramis zusammen, was zu drei Duellverabredungen für denselben Tag führt!
Der riesenhafte, eitle Porthos bewohnt ebenfalls eine Wohnung in der Rue du Vieux-Colombier, die er mit seinem Diener Mousqueton teilt. Heute mündet die Straße in die Ostfassade der Kirche Saint-Sulpice. Das Hôtel de Tréville lag in unmittelbarer Nachbarschaft zu d'Artagnans Mansarde – ein glückliches Omen für den jungen Mann.
Rue Férou: Athos' stille Zuflucht
Der edle, melancholische Athos residiert nur wenige Schritte vom Luxembourg entfernt in der Rue Férou, zusammen mit seinem wortkargen, aber effizienten Diener Grimaud. Diese Straße liegt direkt um die Ecke von d'Artagnans Wohnung. Hier erfährt d'Artagnan nach und nach die tragische Geschichte seines Freundes – jene düstere Frauenaffäre, die Athos' Leben für immer verdunkelt hat und die sich später als verhängnisvolle Verbindung mit Mylady de Winter entpuppt.
Die Rue Férou existiert noch heute und hat ihren engen, gewundenen Charakter bewahrt. Sie verläuft parallel zur Rue Servandoni und liegt im selben charmanten Viertel rund um den Luxembourg-Palast.
Rue de Vaugirard: Aramis' Wohnung
Der hübsche, intellektuell ambitionierte Aramis wohnt in der Nummer 25 der Rue de Vaugirard, nur die Straße hinunter vom Luxembourg. Er teilt sich die Wohnung mit seinem Diener Bazin, einem frommen Mann, der seinen Herrn ständig ermahnt, endlich den geistlichen Stand anzunehmen. An dieser Adresse beobachtet d'Artagnan auch, wie Constance ein Taschentuch mit einer anderen Frau austauscht, genauer gesagt mit Marie Michon bzw. Madame de Chevreuse – der Beginn der berühmten Affäre um die Diamantspangen der Königin.
Die Rue de Vaugirard ist eine der ältesten und längsten Straßen von Paris und existiert bis heute. Das Quartier um den Luxembourg-Palast, in dem alle drei Musketiere und d'Artagnan wohnten, bildete eine Art Wohngemeinschaft der Freunde – alle Wohnungen lagen nur wenige Minuten Fußweg voneinander entfernt.
Rue aux Ours: Madame Coquenards bürgerliches Domizil
In der Rue aux Ours wohnt Madame Coquenard, die Frau eines alten Staatsanwalts und die Mätresse des prachtsüchtigen Porthos. Porthos reitet über den Pont Neuf, um sie in der Rue aux Ours aufzusuchen – stets in der Hoffnung, von der geizigen, aber wohlhabenden Dame finanzielle Unterstützung für seine kostspieligen Ausrüstungen zu erhalten. Die Beziehung zwischen dem eitlen Riesen und der sparsamen Bürgersfrau ist eine Quelle ständigen Humors im Roman. Am Ende heiratet Porthos Madame Coquenard tatsächlich, nachdem ihr verstorbener Ehemann ihr eine Kiste mit 800.000 Livres hinterlassen hat.
Die Rue aux Ours liegt im nördlichen Marais-Viertel und existiert noch heute als eine der ältesten Straßen von Paris. Sie verbindet das Viertel um Les Halles mit dem Boulevard de Sébastopol.
Das Hôtel de Ville - Schauplatz des königlichen Balls
Das Hôtel de Ville dient in Die drei Musketiere als prunkvoller Veranstaltungsort für den entscheidenden Ball, auf dem die Intrige um die Diamantspangen der Königin Anna von Österreich ihr (glückliches) Ende findet. Der Kardinal Richelieu überredet König Ludwig XIII., ein großes Fest zu geben, bei dem die Königin die zwölf Diamantspangen tragen soll – in der Annahme, dass sie diese nicht mehr vollständig besitzen könne, da er Lady de Winter nach England geschickt hat, um dem Herzog von Buckingham zwei der Spangen zu stehlen, die die Königin ihm zuvor geschenkt hatte. Dank der Intervention von d'Artagnan und seinen Freunden kann die Königin jedoch mit ihren Diamantspangen erscheinen und der Kardinal ist brüskiert.
Der Grundstein des damaligen Gebäudes wurde am 15. Juli 1533 von Architekt Dominique Cartone gelegt, und der Bau wurde erst 1628 unter Ludwig XIII. vollendet. Es ist also ein sehr neues Gebäude zum Zeitpunkt des Romans. Die Place de Grève vor dem Rathaus war Schauplatz von Hinrichtungen - so fürchtet beispielsweise auch Monsieur Bonacieux, nach seiner Verhaftung hierher gebracht zu werden.
Place Royale (heute Place des Vosges): Myladys elegante Fassade
Die geheimnisvolle und gefährliche Mylady de Winter bewohnt ein prächtiges Haus an der Place Royale, dem vornehmsten Platz von Paris. Hier spioniert d'Artagnan ihr nach, hier verführt sie ihn beinahe, und hier entdeckt er schließlich das Brandmal auf ihrer Schulter – das Zeichen einer Verbrecherin. Die Place Royale war für große Zeremonien und Feste gedacht, wurde aber eher durch laute Duelle berühmt.
Seit 1799 heißt der Platz Place des Vosges, benannt nach der Provinz, die als erste eine Einlage für die Revolutionstruppen leistete. Die 36 Gebäude aus rotem und weißem Stein sind erhalten geblieben und beherbergen heute Galerien, Teesalons und Buchläden. Das Marais-Viertel ist nach wie vor eines der elegantesten Quartiere von Paris, und Prominente wohnen bis heute an der Place des Vosges.
Louvre: Der Königspalast
Im Louvre residieren König Ludwig XIII. und seine Gemahlin Anna von Österreich. Hier spielt sich das Schicksal Frankreichs ab, hier werden Komplotte geschmiedet und Intrigen gesponnen. Die Musketiere stehen hier auf Wache und werden hier nach ihrem Duell mit den Gardisten des Kardinals vom König empfangen. Der Herzog von Buckingham wird von Constance Bonacieux in den Louvre geschmuggelt, um die Königin zu treffen, wo sie ihm dann ihre zwölf Diamantnadeln schenkt.
Der Louvre ist heute ein weltberühmtes Museum, das jährlich Millionen Besucher anzieht. Die Cour Carrée mit dem Pavillon de l'Horloge und der imposante Escalier du Midi existieren noch und erinnern an die Zeit Ludwigs XIII. Der Palast liegt am rechten Seineufer gegenüber dem heutigen Palais Royal.
Palais Royal (früher Palais-Cardinal): Richelieus Machtzentrale
Gegenüber dem Louvre liegt das Palais-Cardinal, der Amts- und Wohnsitz des allmächtigen Kardinals Richelieu. Von hier aus spinnt der Ränkeschmied seine Intrigen gegen die Königin und plant die Belagerung von La Rochelle. Hier empfängt er seine gefährliche Agentin Mylady de Winter und hier gibt er ihr die tödlichen Aufträge.
Heute ist das Gebäude als Palais Royal bekannt. Nach Richelieus Tod ging es in königlichen Besitz über und trägt den Namen, unter dem es berühmt wurde. Es liegt vis-à-vis dem Louvre und beherbergt heute unter anderem den Staatsrat und das Kulturministerium.
Pont Neuf: Die Lebensader der Stadt
Die "neue Brücke" (ironischerweise heute die älteste erhaltene Brücke von Paris) verbindet die beiden Ufer der Seine und wird mehrfach im Roman erwähnt. Porthos überquert sie auf dem Weg zu Madame Coquenard in der Rue aux Ours. Die Brücke war im 17. Jahrhundert ein belebter Schauplatz des Pariser Lebens, gesäumt von Händlern, Gauklern und Taschendieben. Sie war die erste Brücke von Paris, auf der keine Wohnhäuser standen.
Der Pont Neuf steht noch heute und ist eine der beliebtesten Brücken von Paris. Sie bietet einen herrlichen Blick auf die Stadt. Die Brücke wurde 1607 fertiggestellt und ist damit tatsächlich die älteste in ihrem ursprünglichen Zustand erhaltene Brücke der französischen Hauptstadt.
Die Bastille
Die gefürchtete Festung diente als Staatsgefängnis und wurde von einem Gouverneur verwaltet. Wer den Unmut des Kardinals erregt, dem droht die Verhaftung durch eine "lettre de cachet" und die Einkerkerung in der Bastille. So landet beispielsweise Monsieur Bonacieux nach seiner Verhaftung hier und auch Athos, der sich als d'Artagnan ausgegeben hat, um ihn zu vor der Verhaftung zu bewahren, wird hier kurz festgehalten, bis Monsieur de Tréville seine Freilassung erreichen kann.
Die Bastille wurde 1789 von den Revolutionären gestürmt und anschließend vollständig abgetragen. Heute erinnert nur noch die Place de la Bastille an die einstige Festung. An ihrer Stelle steht die Julisäule, und das Viertel ist zu einem lebendigen Ausgehviertel geworden. Die Métro-Station Bastille ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt.
Zeitgenössische Karte von Tavernier
Auf dieser Karte von 1630, also genau der Zeit des Romans, sieht man im übrigen gut, dass die Quartiere der vier Musketiere außerhalb der Stadtmauern lagen.
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