Frauen in Dumas' Werk
Diese Seite soll den Frauen bei Dumas' "Die drei Musketiere" gewidmet sein. Auch, wenn die weiblichen Rollen neben denen der Hauptcharaktere in den Hintergrund treten und meist nur der Ausstellung und Entwicklung eben jener dienen, so wären die Abenteuer der tapferen Helden ohne die Frauen doch nur halb so interessant - und oft auch zum Scheitern verurteilt. Es wäre kaum vorstellbar, das Buch zur Hand zu nehmen und feststellen zu müssen, daß die "böse" Mylady einem Mylord gewichen ist oder die dramatische Rettungsaktion für Constance der eines guten Freundes. Tatsächlich ist es so, daß die Geschichte nicht ohne das schöne Geschlecht leben kann. Die Frauen sorgen dafür, daß die männlichen Parts ihren Blick erweitern, neue Erfahrungen sammeln und so manches halsbrecherische Abenteuer überhaupt erst zustande kommt. Egal, ob es sich nun um eine Königin oder um eine einfache Wäscherin handelt, durch das Geschick der Frauen, aus ihrer unauffälligen Stärke heraus die tollsten Intrigen und Hilfen zu entwickeln, erhält der Roman einen Großteil seines Charmes und Witzes.
Dumas hat die Frauen
ebenso geliebt wie es seine Helden tun und das spiegelt sich deutlich
in der Erzählung wieder. Kein Wunder also, daß die Damen aus dem
Hintergrund heraus die Fäden dennoch in der Hand haben und sie sich die
Männer untertan machen können, reicht doch ein koketter Augenaufschlag,
um die Herzen höher schlagen zu lassen.
So halten sich die Frauen
indirekt immer im Rücken der Musketiere auf, obwohl ihnen selbst meist
nur kurze Textpassagen gewidmet sind, in denen sie völlig allein
agieren dürfen, ohne die Hilfe oder Anwesenheit eines Helden in
Anspruch zu nehmen.
Dennoch wird gerade von den Frauen intrigiert, was das Zeug hält: Ehen
werden gebrochen. Ehemännern werden Hörner aufgesetzt, Nebenbuhlerinnen
wollten aus dem Weg geräumt, Herzen erobert, Liebhaber ausgenutzt und
die beste Machtposition erkämpf werden.
Alles in allem: Es ist keinesfalls ein Nachteil, eine Frau in einer von Männern regierten Welt zu sein, denn solange das "starke" Geschlecht glaubt, das "schwache" in der Hand zuhaben, ist es genau umgekehrt...
Die Frauen aus der Sicht von Dumas' Musketieren
Dieses Kapitel ist unterteilt, um jeden der vier Freunde einzeln zu betrachten. Obwohl sie die besten Freunde sind, ist ihr Verhalten gegenüber den Frauen doch grundverschieden, sei es aus der Erfahrung oder aus Naivität heraus.
Athos
Er ist
der Älteste der vier Freunde und war einst mit Mylady liiert. Er
heiratete als junger Graf die angebliche Schwester eines Priesters,
entdeckte dann jedoch das Brandmahl einer Verbrecherin auf ihrer
Schulter und erhängte sie für diesen Betrug.
Seitdem ist er überaus
mißtrauisch allen Frauen gegenüber. Er hat keine besonders gute Meinung
von ihnen und der Liebe im allgemein, was an einigen folgenden Zitaten
verdeutlicht werden soll.
"Ich meine, die Liebe ist ein Lotteriespiel, und wer da gewinnt, gewinnt den Tod. (...)"
"Kindskopf! Es gibt keinen Mann, der nicht glaubt, von seiner Holden geliebt zu werden, und es gibt auch keinen, den seine Holde nicht schon betrogen hat."
"(...)Leider war mein Freund ein Ehrenmann und heiratete das Mädchen. Dieser Narr, dieser Trottel, dieser elende Schwachkopf!"
"Das hat mich für immer von allen schönen, seelenvollen und verliebten Frauen geheilt! Gebt Gott, daß ihr zu derselben Einsicht gelangt! Trinken wir!"
Allerdings ändert sich seine äußerst schlechte Meinung von der holden Weiblichkeit noch.
Als Mylady hingerichtet wird, beginnt Athos langsam, an ein neues Leben
ohne seine alten Schatten zu denken. Schließlich ist es soweit, daß er,
einige Jahre später, von der fliehenden Marie Michon alias Madame de
Chevreuse verführt wird und sogar einen Sohn, Raoul, mit ihr hat.
Dennoch war diese "Wiederentdeckung" der Liebe und der Frauen nur von
kurzer Dauer, da Athos weiterhin allein mit seinem Sohn lebt und damit
äußerst glücklich und zufrieden ist. Allerdings kann nun gesagt werden,
daß er nicht länger nur das Schlechte in den Frauen sieht, aber gewarnt
bleibt vor einigen ihrer Charakterzüge.
Porthos
Er
sieht in der Verbindung mit einer Frau zunächst immer erst seinen
eigenen Vorteil. Es ist ihm beinahe egal, ob seine Auserwählte hübsch,
jung, gerissen oder einigermaßen ansehnlich (steif und hochmütig
) ist, ihre besten Jahre hinter sich hat (ein bißchen gelb und vertrocknet
) und nicht mit Intelligenz gesegnet (geizig
) ist.
Wichtig ist für ihn nur, daß die Dame seines Herzens reich und
angesehen ist, damit sie ihn gut bei der Stange halten kann. Seinem
unheimlichen Selbstbewußtsein nach zu urteilen, darf sich eine Frau
glücklich schätzen, wenn er sie überhaupt ansieht.
Jedoch ist eher das Umgekehrte der Fall. Porthos kann froh sein, wenn
er es endlich geschafft hat, seine Geliebte davon zu überzeugen, ihm
mit dem nötigen Geld zu versorgen. Dies gilt zumindest für die Frau
Staatsänwältin aus der Rue oux Ours, die nach langem hin und her
endlich nachgibt und Porthos verspricht, zu besorgen, was er benötigt.
Auch nach Jahren hat sich dieser Egoismus noch nicht großartig
geändert. Porthos hat in der Zwischenzeit mehrmals geheiratet, alle
seine Frauen überlebt und sich deren Vermögen einverleibt. Nicht die
Spur von Trauer über den Tod seiner letzten Frau ist zu erkennen, als
er in "Zwanzig Jahre später" seinem Freund d’Artagnan darüber
berichtet.
Stattdessen bemitleidet er nur sich selbst und ist bereits auf der
Suche nach einer neuen Partie, durch die er hofft, den Titel eines
Barons zu gewinnen.
Frau Coquenard (Frau eines alten Staatsanwalts): "Herr Porthos, würdet ihr wohl so freundlich sein und mir für fünf Minuten Euern Arm leihen? Ich möchte gerne mit euch reden."
"Wirklich Madame?" gab Porthos zurück und zwinkerte sich selbst zu, wie ein Spieler, der sich im voraus über einen sicheren Trick freute.
Aramis
Unter
den vier Freunden gilt er als der Charmeur. Durch sein feines und
zurückhaltendes Auftreten gelingt es ihm immer wieder, die schönsten
Frauen zu beeindrucken. Doch auch bei ihm gilt: Wenn schon, dann bitte
eine Dame von Stand. Es ist manchmal erstaunlich, wieviele angesehene
Damen bei Hof die Bekanntschaft mit Aramis genießen.
Hieraus läßt
sich gut eine andere Art von Eitelkeit erkennen, die sich von der
Porthos’ ganz unterscheidet. Während es Porthos vor allem auf das Geld
abgesehen hat, so sieht Aramis seinen eigenen Vorteil eher darin, daß
seine vielen Bekanntschaften ihm doch durchaus einmal andersweitig
nützlich sein könnten, z. B. wenn eine seiner Freundinnen ein gutes
Wort für ihn einlegen kann. Darum gibt er sich auch nicht mit einfachen
Anwaltsfrauen ab, sondern gleich mit den Hofdamen. Wie man im Buch
nachlesen kann, sogar mit großem Erfolg. Dank seiner Verbindung zu
Madame de Chevreuse ist es den Musketieren möglich, den Aufenthaltsort
von Constance Bonacieux zu erfahren.
Für Aramis gilt: Er ist froh darüber, wie viel einfacher und genießbarer das Leben mit Frauen doch ist.
Zum Schluß noch ein wunderbares Zitat: Wie verwendet man seinen Anteil
an 40 Dukaten am besten? Athos empfiehlt d'Artagnan, ein gutes Mahl im
"Tannenzapfen" zu bestellen, Porthos, sich einen Diener zu halten und
Aramis, sich nach einer passenden Geliebten umzutun
.
D'Artagnan
Als
er noch sehr jung nach Paris kommt, hat er noch keine Erfahrungen im
Umgang mit Frauen gesammelt. Er hört sich nur die guten Ratschläge
seiner Freunde an, doch letzen Endes muß er selbst eine Entscheidung
darüber treffen, was er von den Frauen hält.
Zunächst einmal ist es
ihm völlig gleich, ob eine Frau reich ist oder Einfluß besitzt,
Hauptsache sie ist schön und man kann einige vergnügliche Stunden mit
ihr verbringen.
"Es war eine enzückende Person von wenig mehr als zwanzig Jahren, brünett, mit blauen Augen, niedlicher Stupsnase, mit herrlichen Zähnen und einer rosig schimmernden Haut. Damit aber hörten die Merkmale auf, deretwegen man sie für eine vornehme Dame halten konnte. Die Hände waren weiß, aber ein wenig plump und auch die Füße verieten keine Rasse. Glücklicherweise war d'Artagnan noch nicht soweit, sich um solche Einzelheiten zu kümmern."
Noch erstaunlicher ist
es, daß er seine erste Liebe selbst dann nicht aufgibt, als sie für
immer verloren scheint (Keiner wußte schließlich, was mit Constance
geschehen war, als sie spurlos verschwand).
In der Zwischenzeit jedoch sucht er sich erstmal eine neue Geliebte,
leider die Falsche, denn Mylady ist nun wirklich keine gute Wahl
gewesen. Zum erstenmal lernt d'Artagnan die Hinterhältigkeiten der
Frauen kennen, die er von der guten Constance gar nicht gewohnt war.
Myladys Kammerzofe Ketty ist kaum anders als ihre Herrin, denn auch sie
entwickelt einige Pläne, um ihren Geliebten bei sich zu behalten.
Dieser wiederum denkt gar nicht daran, tatsächlich etwas mit der
einfachen Zofe anzufangen, denn er will ja die Herrin haben. Ein ewiges
Verwirrspiel also, daß schließlich durch Athos beendet wird, der seinen
Freund eindeutig vor Mylady warnt.
So hat d'Artagnan von den Frauen gelernt, daß es einige mit einer guten
Seele und einige mit einer hinterhältigen gibt. Nach Constances Tod ist
es auch erstmal düster, was sein Vertrauen in die Frauen bedeutet. Er
schwört sich, sich nie wieder zu verlieben und das hält er auch bis zum
Ende seines Lebens durch, abgesehen von einer nicht ernstzunehmenden
Liebschaft mit seiner neuen Gastwirtin, der Chevrette. Es bleibt also
dabei: Reichtum und Standesunterschiede sind d'Artagnan egal, wichtig
ist ihm, daß er seinen Spaß hat und die Frau ihn nicht mit
Heiratswünschen nervt.